InselChaos 2026

InselChaos 2026

Was hält das Fediverse zusammen? Von der Gabenökonomie zur Frage der Erforschbarkeit
04.09.2026 , Tonhalle
Sprache: Deutsch

Für meine Bachelorarbeit habe ich das Fediverse mit Marcel Mauss' Gabenökonomie als Brille betrachtet — und wollte wissen, ob diese Perspektive trägt. Sie stößt an Grenzen, dort wo die archaische, interaktionsbasierte Gesellschaft, aus der der Gabenbegriff stammt, auf die moderne Kommunikationsgesellschaft trifft. Um weiterzukommen, wollte ich Interaktion im Fediverse tatsächlich messen — im Rahmen einer Data-Analyst-Zertifizierung. Von diesem Projekt und seinen Schwierigkeiten berichte ich, weil es zu einer grundlegenden Frage führt: Wie ist das Fediverse eigentlich organisiert — und lässt sich Konsens über seine eigene Erforschbarkeit gewinnen?


Ausgangspunkt ist eine Brille, keine These. Für meine Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Fediverse beschäftigt und Marcel Mauss' Begriff der Gabenökonomie — verpflichtender, nicht-marktförmiger Tausch, der Gemeinschaften über Reziprozität statt über Preise bindet — daran getestet: Gibt diese Perspektive etwas her?

Sie gibt etwas her, aber sie stößt auch an Grenzen. Der Gabenbegriff stammt aus der Beschreibung archaischer, interaktionsbasierter Gesellschaften. Das Fediverse ist Teil der modernen Kommunikationsgesellschaft. Zwischen beiden liegt ein Bruch, der sich nicht einfach überbrücken lässt — und genau an diesem Bruch wird die Perspektive interessant und schwierig zugleich.

Um sie zu erweitern, wollte ich Interaktion im Fediverse nicht nur theoretisch fassen, sondern messen. Das habe ich im Rahmen einer Data-Analyst-Zertifizierung (IHK) tatsächlich angegangen. Von diesem Projekt und seinen Schwierigkeiten möchte ich berichten — weil es am Ende auf eine grundlegende Frage hinausläuft: Wie ist das Fediverse organisiert? Und lässt sich Konsens darüber gewinnen, ob und wie es erforscht werden darf?

Die Kernfrage, mit der ich schließe: Gibt es ein opt-in-basiertes Verfahren, mit dem eine Studie entsteht, die diesmal methodisch funktioniert und zugleich ethisch unbedenklich publizierbar ist? Das ist keine rein technische Frage, sondern eine über die Organisationsform einer Gemeinschaft, die sich der einfachen Vermessung widersetzt.

Ich spreche als Schatzmeister eines gemeinnützigen Vereins für digitale Selbstbestimmung und freie Software und als angehender Bilanzbuchhalter mit soziologischem Hintergrund.

Sozialwelten, soziologischer Hintergrund. Ich beschäftige mich mit Reziprozität und dem Fediverse – Thema auch meines Vortrags beim Inselchaos. Daneben mache ich die Buchhaltung bei Anoxinon e.V., helfe bei FediDay Berlin Orga mit und betreibe eigene Infrastruktur.

Sozialwelten, background in sociology. I work on reciprocity and the Fediverse – also the topic of my talk at Inselchaos. Alongside that, I handle the bookkeeping at Anoxinon e.V., help organize FediDay Berlin, and run my own infrastructure.